09.08.2011 Bericht und Bilder zur EM

Michi im stehend Anschlag
Michi im stehend Anschlag

EM 2011, eine Reise wert!

„Wenn Du Dich für die EM 2011 in Belgrad qualifizierst, fahren wir hin“, so lautete die Ansage Anfang des Jahres. Also blieb uns nach Michi Jankers Qualifikation gar nichts anderes übrig als nach Belgrad aufzubrechen.

Montag den 01. August ging es los. Mitten in der Nacht, es war gerade 4.00 Uhr, fuhren Eva und ich los. Nach 1015 km und elf Stunden später erreichten wir unser Hotel mitten in Belgrad ohne Probleme und dies, obwohl die letzten 25 km wegen der serbischen Fahrweise, sagen wir mal wenigstens gewöhnungsbedürftig waren. Nach Abendessen und einigen Gedanken an den nächsten Tag ging es zu Bett.

Der neue Tag brach an, was würde er wohl bringen? Im Vorfeld der Meisterschaften hatte Michi gesagt, „Es ist gut, dass der Liegend-Wettkampf als erstes geschossen wird.“ Keine Frage, nach dem Gewinn der Silbermedaille bei den Weltmeisterschaften in München im vergangenen Jahr, waren hier mit der gleichen Mannschaft die Chancen auf eine gute Platzierung nicht schlecht. Also auf zum Schießstand.

Wettkampfbeginn, Michi hat 99 Ringe in der ersten Wertungsserie. Alles klar, Michi ist auf Kurs. Doch dann 97 und 95 Ringe, den beiden Mannschaftskollegen Lars Walker und Sebastian Drawert geht es nicht viel besser.

Ein schwerer Wettkampf bahnt sich an. Der Schießstand völlig offen, keine Seiten- und Hochblenden, viel Wind und grelle Sonne auf der Scheibe. Bald ist klar, dass es keine Medaille geben wird. 94, 100 und zum Abschluss 97 Ringe bedeuteten für Michi mit 582 Platz 27 im Einzel und Platz sechs mit der Mannschaft.

Ein wenig Enttäuschung, auch die Juniorinnen waren unter ihren Möglichkeiten geblieben, ist allen anzumerken, der Bundestrainerin Claudia Kulla, den Betreuern, den Schützen und auch uns. Auf der weitläufigen, wunderschönen Anlage hängt anschließend jeder seinen eigenen Gedanken nach, Analyse ist angesagt. Eva, Michi und ich essen etwas, plaudern. „Es ist gut, dass der Liegend-Wettkampf als erstes geschossen wurde, jetzt kenn ich den Schießstand. Ich bin voll motiviert auf Dreistellung. Morgen ist um fünfzehn Uhr Training.“ Bald danach geht es für die Schützen mit ihrem Bus ins Quartier und wir quälen uns mit unserem Auto durch den Feierabendverkehr Belgrads.

Mittwoch, 03. August, eigentlich wollten wir uns heute Belgrad anschauen. Aufgeschoben, erneut raus zum Schießstand nach Kovilovo.

Damen Liegend, die ersten beiden Medaillen für Deutschland sind da. Bronze Mannschaft und Sonja Pfeilschifter gewinnt im Einzel auch Bronze. Ihr Kommentar, „..schwer zu schießen, sehr windanfällig, hier setzt sich nur Erfahrung durch….“ Die Juniorinnen gewinnen anschließend zwei Goldmedaillen im Dreistellungskampf. Das Training von Michi verläuft ohne Probleme, Zuversicht für Morgen.

Nach unserem Abendessen im Hotel unternehmen wir einen ausführlichen Abendspaziergang im nächtlichen Belgrad. Die Stadt bietet eine beeindruckende Kulisse an Donau und Sava, vor allem mit den beleuchteten Brücken.

„Ich habe heute Nacht schlecht geschlafen“, mit diesen Worten empfängt mich Eva in der Früh. Nervös, wie mag es wohl Michi und seinen Mannschaftskollegen ergehen?

Schnell gefrühstückt, raus auf den Schießstand. Die Schützen sind bereits alle da. Wir halten uns wieder im Hintergrund, heute soll´s gelingen.

Es geht los! Wir haben uns so im Zuschauerraum platziert, dass wir ein wenig Michi beobachten können und vor allem die Anzeigetafel im Auge haben. Michi schießt die erste Zehnerserie 100 Ringe, Eva ist die Nervosität anzumerken, ich bin erstaunlicherweise sehr ruhig. Eine weitere Hunderterserie folgt, macht Michi es heute wahr? „Wenn ich einen starken Tag habe, müsste ich im Einzelfinale stehen“, hatte er gesagt. Liegend ist zu Ende, 397 Ringe bedeuten im Zwischenergebnis Platz eins, ein Ring Vorsprung. Ein Ehepaar aus der Schweiz, wohnt im gleichen Hotel und Fans wie wir, heben bereits den Daumen nach oben. Ruhig bleiben, Ball flach halten, der Weg ist noch lang.

Stehend beginnt, nur Zehner von Michi, erst der zehnte Schuss ist eine Neun, 99 Ringe in der ersten Serie, Wahnsinn! 94, 94 und 95 Ringe bedeuten 382, weiterhin Platz eins. Johannes Früh und Sebastian Drawert schießen beide im Gleichklang. Nach 391 im Liegend erzielen beide nun 373 Ringe im Stehendanschlag, für die Mannschaft sieht es gut aus, alles ist vor dem Knieend möglich.

Mit 96 Ringen beginnt Michi seinen Kniend Anschlag, es folgen nur 92 und 94 Ringe. Zum ersten Mal meldet sich mein Puls, sollte alles sich nun drehen? Der Vorsprung schmilzt, ist weg, aber nach der abschließenden 96er Serie ist klar, für das Finale ist Michi qualifiziert. 378 Michi, 385 Sebastian und Johannes mit ebenfalls 385 Ringen nach Abzug von zwei Ringen wegen Beschießen der Nachbarscheibe, bedeuten die Goldmedaille mit der Mannschaft. Glückwunsch Team Deutschland, für´s Feiern bleibt aber keine Zeit, denn in 70 Minuten ist Finale.

Mit vier Ringen Rückstand auf den Bulgaren Yordanov und ringgleich mit dem Ukrainer Kulish geht Michi mit seinen 1157 Ringen in das Finale. Mit einem Ring Rückstand folgt der Weißrusse Korzun. Wieder ist alles möglich, auch Platz 4. Alle Betreuer, Mannschaftskollegen und wir drücken jetzt die Daumen.

Der erste Finalschuss bei Michi fällt, 9.5 Ringe, alles in Ordnung. Der zweite Finalschuss ist nur eine 8.6, 10.2 und eine 9.9 folgen, bevor bei einer 8.1 ein lautes Stöhnen durch die deutschen Reihen geht. Es ist fast nicht mehr auszuhalten, jetzt wird es langsam eng, der dritte Platz ist in Gefahr. Doch als wäre nichts gewesen, Michi schießt nun vier Zehner in Folge. Mit dem letzten Schuss und 97.4 Ringen im Finale löst sich bei allen Deutschen die Anspannung, Jubel. Nur Michi zeigt keine Reaktion, hat er es noch nicht gesehen? Dann dreht er sich langsam um, schaut zur Anzeigetafel, ein Lächeln geht über sein Gesicht. Bronzemedaille!

„Glückwunsch Michi“, „souveräne Leistung“, „super“, so oder ähnlich klingen nun die bei Michi anstehenden Leute. Wir gratulieren ebenfalls, auch im Namen unserer Gesellschaft, und können dabei eine kleine Träne der Freude nicht unterdrücken. Es folgt die Siegerehrung, dieses Mal sogar mit der Nationalhymne Deutschlands für das Mannschaftsgold. Es ist immer wieder ein beeindruckendes Erlebnis, so eine Siegerehrung, auch wenn man nicht selbst auf dem Trepperl stand.

„Michi, wenn Du Dich für die ……… in ……….. qualifizierst, wir als deine Fans fahren wieder hin!“